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Ist Schweizer Matura schwieriger als deutsches Abitur?

Publiziert: 21.07.2026, 21:28   

Die Frage, ob die Schweizer Matura schwieriger ist als das deutsche Abitur, treibt insbesondere Expats aus Deutschland um.

Aber auch Eltern von Kindern, die nahe der Grenze zwischen Deutschland und der Schweiz wohnen, denken immer wieder darüber nach, ob es nicht taktisch klüger wäre, das Kind aufs Gymnasium im Nachbarland zu schicken, weil der Abschluss dort möglicherweise einfacher ist.

Im folgenden Beitrag vergleichen wir Schweizer Matura und deutsches Abitur und gehen der Frage nach, welcher der beiden gymnasialen Abschlüsse schwieriger ist.

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Das Wichtigste in Kürze:

  • Die Schweizer Matura soll laut Berichten von Eltern eindeutig schwieriger sein als das deutsche Abitur, was die Eltern direkt bei den eigenen Kindern beobachten konnten, von denen die einen Matura machten, die anderen Abitur.
     
  • Bildungsforscher halten Schweizer Durchschnittsmaturanden für besser als deutsche Durchschnittsabiturienten.
     
  • Andere sagen, dass die Schwierigkeit von der Schweizer Matura und dem deutschen Abitur vom individuellen Profil abhänge, da die Anforderungen bei beiden Abschlüssen grundsätzlich vergleichbar seien, nur die Strukturierung sei anders.
     
  • Der Vergleich von Schweizer Matura und deutschem Abitur ist schwierig, weil beide föderalistisch organisiert sind und es weder eine landesweit einheitliche Schweizer Matura gibt noch ein landesweit einheitliches deutsches Abitur.
     
  • Die unterschiedliche Maturitätsquote und Abiturientenquote gibt keinen Aufschluss über die Schwierigkeit des jeweiligen Abschlusses.
     
  • Die eigentliche Maturitätsprüfung ist in der Schweiz und in Deutschland ähnlich.
     
  • Die Bestehensgrenzen sind in der Schweiz jedoch strenger, was ein Faktor ist, warum die Schweizer Matura schwieriger ist als das deutsche Abitur.
     
  • Auch die Abwahl- und Nicht-Einbringungs-Möglichkeiten beim deutschen Abitur machen dieses leichter als die Schweizer Matura.
     
  • Ausserdem stellt die Abschlussarbeit (Matura-Arbeit) bei der Schweizer Matura eine Herausforderung dar, mit der deutsche Abiturienten so nicht konfrontiert sind.
     
  • Alles in allem kommt man zum Schluss, dass die Schweizer Matura schwieriger ist als das deutsche Abitur. 
 

 

Inhaltsverzeichnis

 

Schweizer Matura vs. deutsches Abitur: Unterschied

Eltern in der Schweiz, die an der deutschen Grenze leben und bei denen ein Teil der Kinder das deutsche Abitur und ein anderer Teil die Schweizer Matura gemacht haben, sagen: Die Schweizer Matura sei «ganz klar schwieriger».

In dieselbe Richtung weist auch die Äusserung von Bildungsexperte Stefan Wolter gegenüber der Süddeutschen Zeitung in Bezug auf die Qualität der gymnasialen Ausbildung: «Ein Schweizer Durchschnittsabiturient ist einfach besser als ein deutscher Durchschnittsabiturient.»

Stefan Wolter gibt auch eine plausible Erklärung, warum das Gymnasium in der Schweiz bis heute schwieriger sei als in Deutschland. Demnach habe die 68er-Bewegung in der Schweiz keine grosse Rolle gespielt. Anders als in Deutschland sei die Forderung der 68er, wonach möglichst viele Menschen die Möglichkeit haben sollten, an der Universität zu studieren, in der Schweiz weitgehend wirkungslos geblieben.

Trotzdem haben in der Schweiz mehr Personen im Alter der 25- bis 34-Jährigen einen tertiären Bildungsabschluss als in Deutschland. Das liegt insbesondere daran, dass man in der Schweiz nach einer Lehre zum Beispiel mit einem zusätzlichen Berufsmaturitäts-Abschluss an einer Fachhochschule studieren kann. Auch kann man in der Schweiz nach einiger Berufserfahrung eine höhere Berufsbildung absolvieren.

Lesen Sie in diesem Zusammenhang unseren Artikel «Hohes Einkommen ohne Uni-Studium dank dualem Bildungssystem».

Andere Stimmen - wie das private Internat und Gymnasium Birklehof aus Deutschland - sind differenzierter in Bezug auf die Frage, ob die Schweizer Matura oder das deutsche Abitur schwieriger ist: «Die Anforderungen [von gymnasialer Maturität und Abitur] sind vergleichbar, jedoch unterschiedlich strukturiert. Eine objektive Aussage zur Schwierigkeit hängt vom individuellen Profil ab.»

Bevor wir nun die Frage beantworten können, ob die Schweizer Matura wirklich schwieriger ist als das deutsche Abitur, müssen wir die Unterschiede zwischen diesen beiden gymnasialen Abschlüssen verstehen. 

 

Herausforderungen beim Matura-Abitur-Vergleich

Was den Vergleich zwischen der Schweizer Matura und dem deutschen Abitur etwas erschwert: in beiden Ländern ist die Bildung föderalistisch organisiert. Das heisst, dass es weder in der Schweiz noch in Deutschland einen einheitlichen gymnasialen Abschluss gibt, sondern sich die Matura bzw. das Abitur je nach Kanton bzw. Bundesland unterscheidet.

Allerdings gibt es in beiden Ländern unter den Kantonen bzw. Bundesländern gewisse Vereinheitlichungen, um die Matura in der Schweiz und das Abitur in Deutschland landesweit vergleichbar zu machen. Diese Vereinheitlichungen werden wir im Folgenden beim Vergleich zwischen Schweizer Matura und deutschem Abitur zu Grunde legen.

In Deutschland gibt es in bestimmten Fächern sogar eine Art Zentralabitur, aber im Groben und Ganzen unterscheidet sich das Abitur in Deutschland stark, je nachdem in welchem Bundesland es abgelegt wird. Denn selbst vom Zentralabitur dürfen die Bundesländer in vielen Punkten abweichen.

 

Maturitätsquote vs. Abiturientenquote

In der Schweiz lag die durchschnittliche gymnasiale Maturitätsquote für die Jahre 2022 bis 2024 bei 23,2 Prozent. In Deutschland lag die vergleichbare durchschnittliche Quote, also die Abiturientenquote (Abschlüsse mit allgemeiner Hochschulreife), für die Jahre 2022 bis 2024 bei 33,07 Prozent

Zwar deutet die höhere gymnasiale Abschlussquote in Deutschland darauf hin, dass das Abitur leichter ist als die Schweizer Matura. Allerdings ist dieser Blickwinkel zu verkürzt. Denn die gymnasiale Maturitätsquote wird in einigen Kantonen in der Schweiz politisch gesteuert. In Zürich zum Beispiel wird die gymnasiale Maturitätsquote künstlich niedrig gehalten, indem man die Übertrittsquote ans Gymnasium durch Steuerung der Aufnahmeprüfung zum Gymnasium niedrig hält.
Lesen Sie auch unseren Artikel «Gymiquote Zürich wird seit 2007 vom Kanton gesteuert».

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Notensystem und Bestehensgrenzen

Abgesehen von der anderen Zählweise des Notensystems, sind auch die Bestehensgrenzen bei Schweizer Matura und deutschem Abitur unterschiedlich.

Beim Notensystem geht die Skala in der Schweiz von 6 bis 1, während die 6 die beste Note ist und die 1 die schlechteste Note. In Deutschland ist die Zählweise genau andersherum, mit der 1 als bester und der 6 als schlechtester Note.

Die Bestehensnoten sind aber anders gelegt. Während man in Deutschland mit einer 4 noch bestanden hat, braucht man in der Schweiz ebenfalls eine 4 zum Bestehen, obwohl die Zählweise bei 6 beginnt. In Deutschland hat man also auf 4 Notenstufen von 1 bis 4 bestanden, während man in der Schweiz nur auf 3 Notenstufen besteht, nämlich von 6 bis 4.

Bei den Bestehensgrenzen ist es in der Schweiz in der Regel erforderlich, 60 Prozent der Punkte zum Bestehen der Prüfung zu erreichen, während man in Deutschland in der Regel nur 50 Prozent der Punkte benötigt. Es ist also in der Schweiz wesentlich schwieriger eine Prüfung zu bestehen als in Deutschland.

 

Vornoten und Abschluss-Arbeit

Sowohl in der Schweiz als auch in Deutschland zählen nicht nur die Noten der gymnasialen Abschlussprüfung (Maturaprüfungsnoten und Abiturprüfungsnoten) für die Abschlussnote, sondern auch Vornoten, und zwar die Noten einer Vielzahl von Fächern aus der Schulzeit, wobei der relevante Zeitraum je nach Land unterschiedlich ist.

In der Schweiz zählen zu den Vornoten die Noten der Maturitätsfächer, wozu die Grundlagenfächer, ein Schwerpunktfach und ein Ergänzungsfach gehören. Relevant sind die Noten vom letzten Ausbildungsjahr, in dem das Fach unterrichtet wurde. Zusätzlich wird auch noch die Note der Matura-Arbeit (Abschluss-Arbeit) in der Schweiz gezählt. Eine solche Abschluss-Arbeit gibt es in Deutschland nicht. Allerdings verlangen manche Bundesländer eine sogenannte Facharbeit, die aber als Klausur-Ersatz-Leistung im betreffenden Kurs während der Qualifikationsphase eingeht und nicht als selbständige Note direkt in die Abschlussnote einfliesst.

In Deutschland zählen zu den Vornoten die Noten der sogenannten Qualifikationsphase - die sich in der Regel über zwei Jahre erstreckt bzw. 4 Halbjahre; Grundkurse werden einfach gezählt, Leistungskurse doppelt.

Die eigentliche Maturitätsprüfung und Abiturprüfung erfolgen in beiden Ländern in der Regel in fünf Fächern, wobei die vorgeschriebenen Kernfächer Deutsch (in der Schweiz in der Deutsch-Schweiz), Mathematik und eine Fremdsprache in beiden Ländern im Grunde identisch sind.

 

Abwahl und Nicht-Einbringen von Fächern

Im Gegensatz zur Schweizer Matura kann man beim deutschen Abitur unter bestimmten Voraussetzungen Fächer abwählen - ausser im Kernbereich (Deutsch, Mathematik, eine Fremdsprache, eine Naturwissenschaft, gesellschaftswissenschaftliches Fach wie Geschichte).

Ausserdem ist es beim deutschen Abitur möglich, bestimmte Noten von Fächern nicht in die Abiturnote einzubringen, sofern man bestimmte Voraussetzungen erfüllt.

Beim deutschen Abitur gibt es also wesentlich mehr Spielraum, um Noten aus Fächern, in denen man nicht so stark ist, nicht in die Abiturnote einfliessen zu lassen. Die Wahlmöglichkeiten bei der Schweizer Matura beschränken sich auf die Wahl des Schwerpunktfaches und die Wahl des Ergänzungsfaches. 

Lesen Sie auch unsere Artikel:

 

Fazit: Matura schwieriger als Abitur

Inhaltlich gibt es bezüglich der einzelnen Fächer heute nur wenige Unterschiede bei Schweizer Matura und deutschem Abitur. Vorbereitungsinstitute in der Schweiz nutzen in Vorbereitungskursen für die Schweizer Matura denn auch das gleiche Material, mit dem sich auch deutsche Abiturienten vorbereiten. Früher war das einmal anders, als alle Fächer - auch die Grundlagenfächer - in der Schweiz auf Leistungskurs-Niveau abgeschlossen werden mussten, was heute nur noch für die Schwerpunktfächer gilt. Damit ist das Schweizer System vom Leistungs-Niveau her mittlerweile ähnlich wie das deutsche System mit seinen Leistungs- und Grundkursen.

Aber allein schon die Abwahl- und Einbringungs-Spielräume beim deutschen Abitur machen dieses um einiges leichter als die Schweizer Matura, bei der die einzige Wahlmöglichkeit bei der Auswahl der Schwerpunkt- und Ergänzungsfächer liegt.

Zusätzlich macht auch die Bestehensgrenze von 60 % richtiger Lösungen der Prüfungsaufgaben in der Schweiz die Matura schwieriger als das Abitur, wo man mit 50 % richtiger Lösungen eine Prüfung besteht.

Und auch die Abschlussarbeit bei der Schweizer Matura stellt eine zusätzliche Herausforderung dar, die in Deutschland mit der Facharbeit nur partiell gegeben ist; ausserdem fliesst die Facharbeit nicht direkt in die Abschlussnote ein, sondern nur indirekt.

Insgesamt muss man also feststellen, dass die Schweizer Matura schwieriger ist als das deutsche Abitur.

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