Banderole vom Lern-Forum: Qualität seit 1991.
(1)

Zweiter Bildungsweg, Studium: Lohnt sich das finanziell?

Zweiter Bildungsweg, Studium, gut bezahlter Job als Anwalt oder Arzt; das hört sich zunächst verlockend an. Aber lohnt sich das finanziell überhaupt, als Erwachsener die Matura auf dem zweiten Bildungsweg nachzuholen, dann das lange Studium zu machen und dann erst mit Mitte dreissig in den Wunschberuf einsteigen?

Im folgenden Artikel gehen wir dieser Frage nach, ob sich der Weg über die Erwachsenenmatura (Zweiter Bildungsweg) und Studium zum besser bezahlten Beruf lohnt, oder ob es nicht besser wäre, im bisherigen Beruf zu verbleiben und dort eine Karriere zu machen.

Experten empfehlen: In frühen Jahren mit der Gymivorbereitung beginnen!

 

Inhaltsverzeichnis

 

Was bedeutet zweiter Bildungsweg?

Mit «zweiter Bildungsweg» meint man Bildungsgänge, in denen Erwachsene einen Schulabschluss und/ oder Berufsabschluss nachholen können, den sie in jüngeren Jahren im Rahmen der normalen Ausbildungszeit auf dem ersten Bildungsweg in Schule, Lehre bzw. Studium nicht erworben haben.

Unter anderem kann man bei Vorliegen der jeweiligen Voraussetzungen die folgenden Bildungsabschlüssse nachholen:

  • Lehrabschluss EBA oder EFZ
     
  • Berufsmaturität (BMS 2)
     
  • gymnasiale Maturität (Erwachsenenmatura)

Jetzt BMS-Vorbereitungskurs besuchen!

 

Zweiter Bildungsweg: Voraussetzungen für Erwachsenenmatura

Da wir der Frage nachgehen wollen, ob es sich lohnt, über den zweiten Bildungsweg ein Studium zu absolvieren, interessiert uns insbesondere der Weg über die gymnasiale Erwachsenenmatura zum Universitätsstudium, wobei man theoretisch auch über die Berufsmaturität und zusätzlich die Ergänzungsprüfung Passerelle die Zulassung zum Universitätsstudium erreichen kann.

Im Kanton Zürich kann man die Erwachsenenmatura, also die gymnasiale Matura auf dem zweiten Bildungsweg, an der Kantonalen Maturitätsschule für Erwachsene (KME) machen. Um an der KME aufgenommen zu werden - im Vollzeit- oder Teilzeit-Lehrgang -, muss man allerdings zunächst die Aufnahmeprüfung bestehen, zu der man nur unter den folgenden Voraussetzungen zugelassen wird: 

  • Sekundarschule A oder B absolviert
     
  • Kenntnisse von drei Jahren Sekundarschulstoff (entsprechend dem Lehrplan Kanton Zürich)
     
  • eine abgeschlossene Berufslehre oder mindestens eine drei Jahre währende geregelte Berufstätigkeit
     
  • gute Deutschkenntnisse
     
  • bei Eintritt in die KME ein Höchstalter von 40 Jahren

Hat man die Aufnahmeprüfung zur Kantonalen Maturitätsschule für Erwachsene (KME) bestanden, kann man die KME entweder in Vollzeit oder in Teilzeit besuchen. Der Vollzeitlehrgang dauert 6 Semester, während der Teilzeitlehrgang 7 Semester dauert, bis man die Hausmatura im Falle des Bestehens erlangt.

 

Vergleich von 3 Berufsentwicklungs-Szenarien

Nach der drei- bzw. dreieinhalbjährigen Maturitätsschule für Erwachsene hat man noch das dreijährige Bachelorstudium vor sich und wer noch den Master machen möchte, muss in der Regel mindestens noch weitere anderthalb Jahre investieren.

Insgesamt hat man also über den zweiten Bildungsweg mindestens 7,5 Jahre bis zum Studienabschluss an Zeit aufgewendet. In den folgenden Abschnitten vergleichen wir drei verschiedene Berufsentwicklungs-Szenarien, um zu zeigen, was der Zusatzaufwand im Rahmen des zweiten Bildungsweges finanziell bedeutet:

  • Szenario 1: Karriere ohne Matura und ohne Studium (am Beispiel eines EFZ-Kaufmannes - Dienstleistung und Administration Advokatur)
     
  • Szenario 2: Erwachsenenmatura, Studium, Angestellter (am Beispiel eines Anwaltes)
     
  • Szenario 3: Erwachsenenmatura, Studium, Angestellter, Unternehmens-Mitinhaber (am Beispiel eines Anwaltskanzlei-Partners)

In diesen drei Szenarien ist die jeweilige Person 28 Jahre alt, lebt in der Stadt Zürich, hat bis zum 28. Lebensjahr eine Lehre als EFZ-Kaufmann (Dienstleistung und Administration Advokatur) abgeschlossen, arbeitet aktuell in diesem Beruf als angestellter kaufmännischer Sachbearbeiter in einer Anwaltskanzlei in Zürich, überlegt aber, die gymnasiale Matura auf dem zweiten Bildungsweg nachzuholen und anschliessend Jus (Rechtswissenschaften) an der Universität Zürich zu studieren, um danach als Anwalt zu arbeiten. Unterstützung von den Eltern oder Stipendien erhält die betroffene Person in keinem der 3 Szenarien.

 

Szenario 1: Karriere ohne Matura und ohne Studium

Im ersten Szenario betrachten wir die finanzielle Entwicklung eines EFZ-Kaufmannes (Dienstleistung und Administration Advokatur), der ohne Matura und ohne Studium eine Karriere in seinem Beruf als angestellter kaufmännischer Sachbearbeiter in einer Anwaltskanzlei in der Stadt Zürich macht. 

Als 28-Jähriger erhält man in Zürich als kaufmännischer Junior-Sachbearbeiter in einer Anwaltskanzlei monatlich 6’284 CHF (Medianlohn, brutto, inklusive Anteil vom 13. Monatsgehalt). Als Senior-Sachbearbeiter erhält er im Alter von 32 Jahren dann 6’647 CHF im Monat. Mit 40 Jahren wird er Teamleiter und sein Lohn erhöht sich auf 8’216 CHF. Mit 50 verdient er in dieser Position aufgrund seiner Erfolge und Erfahrung 9’174 CHF und bis zur Rente mit 65 stagniert das Einkommen auf dieser Höhe wegen dem vom Arbeitgeber unterstellten Produktivitätsrückganges infolge des Alters.

In der folgenden Tabelle haben wir die Einkommensentwicklung nach Zeiträumen getrennt noch einmal übersichtlich zusammengefasst:

Alters-ZeitraumJahreseinkommen (brutto, inkl. 13. Monatsgehalt)Monatslohn (brutto, inkl. Anteil 13. Monatsgehalt)Job-Situation
28-3175’408 CHF6’284 CHFJunior-Sachbearbeiter (KV)
32-3979’764 CHF6’647 CHFSenior-Sachbearbeiter (KV)
40-4998’592 CHF8’216 CHFTeamleiter (KV)
50-59110’088 CHF9’174 CHFErfolgs- und Erfahrungsprämie
60-65110’088 CHF9’174 CHFLohn-Stagnation wegen unterstelltem Produktivitäts-Rückgang im Alter

Quelle:Salarium - Statistischer Lohnrechner 2022 vom Bundesamt für Statistik (BFS)

Für den späteren Vergleich mit den anderen Szenarien können wir nun das Lebenszeiteinkommen berechnen:

Alters-ZeitraumBrutto-Einkommen (brutto, inkl. 13. Monatsgehalt)
28-314 x 75’408 CHF = 301’632 CHF
32-398 x 79’764 CHF = 638’112 CHF
40-4910 x 98’592 CHF = 985’920 CHF
50-5910 x 110’088 CHF = 1’100’880 CHF
60-655 x 110’088 CHF = 550’440 CHF
Gesamteinkommen über 37 Berufsjahre:3’576’984 CHF

 

Da keine weiteren Ausbildungskosten hinzukommen und auch keine Schulden für eine weitere Ausbildung aufgenommen werden mussten, entspricht das über 37 Jahre erwirtschaftete Grundeinkommen dem theoretisch aufgebauten Vermögen: 3’576’984 CHF. Theoretisch insofern, als von dem Grundeinkommen noch alle Ausgaben für die Lebenshaltung wie Miete (evtl. Hypothek) und Lebensmittel, aber auch Krankenversicherung, Steuern, Reisen, Hobby, Kultur etc. bezahlt werden mussten.

 

Szenario 2: Erwachsenenmatura, Studium, Angestellter

Im zweiten Szenario betrachten wir die finanzielle Entwicklung derselben Person wie in Szenario 1, also einer Person, die eine Ausbildung als EFZ-Kaufmann abgeschlossen hat, aber mit 28 entschieden hat, die Erwachsenenmatura auf dem zweiten Bildungsweg zu machen, anschliessend das Jus-Studium absolviert und schliesslich in einer Anwaltskanzlei als angestellter Anwalt arbeitet.

Wer sich für den Vollzeit-Lehrgang an der Kantonalen Maturitätsschule für Erwachsene (KME) entscheidet, um die gymnasiale Erwachsenenmatura zu erlangen, muss 6 Semester einkalkulieren, also 3 Jahre. Für Schweizer Staatsangehörige und Inhaber einer Aufenthaltsbewilligung B oder C, die seit mindestens zwei Jahren den Wohn- und Steuersitz im Kanton Zürich haben, ist die KME kostenlos. Studierende aus anderen Kantonen müssen ein Schulgeld in Höhe von 20’000-20’400 CHF pro Jahr bezahlen.

Wer es nicht an die KME schafft oder sich dort nicht auf die dortige Hausmatura vorbereiten will, kann auch eine private Maturitätsschule für Erwachsene besuchen, allerdings sind diese kostenpflichtig. Die Kosten für private Maturitätsschulen liegen teilweise um die 30’000 CHF für die dreijährige Vorbereitungszeit. Sofern die nicht-staatliche Schule kantonal anerkannt ist, kann eine Hausmatura in der jeweiligen Schule abgelegt werden. Anderenfalls erfolgt die Maturitätsprüfung ausser Haus bei der Schweizerischen Maturitätskommission (externe Maturität). Alternativ kann man sich im Selbststudium auf die gymnasiale Erwachsenenmatura vorbereiten.

Das auf die Matura folgende Jus-Studium an der Universität Zürich dauert viereinhalb Jahre. Es setzt sich aus dem Bachelor-Studium und dem anschliessenden Master-Studium zusammen. Der Bachelor of Law (B Law) UZH dauert an der Universität 6 Semester, also drei Jahre, und der Master of Law UZH mit Schwerpunkt Rechtspraxis (Legal Practice) dauert an der Universität Zürich in der Regel 3 Semester, also anderthalb Jahre.

Nach dem Jus-Studium muss man noch ein einjähriges Anwaltspraktikum machen, bevor man die Anwaltsprüfung ablegen darf. Der Lohn während dieses Anwaltspraktikums liegt in einer normalen Zürcher Anwaltskanzlei bei circa 5000 CHF im Monat.

Opportunitätskosten durch Erwachsenenmatura, Studium, Anwaltspraktikum
Um die finanzielle Auswirkung von Szenario 2 im Vergleich zu Szenario 1 ausrechnen zu können, müssen wir zunächst die Opportunitätskosten ermitteln, die durch die Absolvierung von Erwachsenenmatura (3 Jahre), Studium (viereinhalb Jahre) und Anwaltspraktikum (1 Jahr), also insgesamt 8,5 Jahre Ausbildung bis zum Anwaltspatent (Anwaltszulassung) entstanden sind. Bei den Opportunitätskosten handelt es sich um das entgangene Einkommen aus der aufgegebenen Vollzeit-Tätigkeit als EFZ-Kaufmann. 

Ab dem 3. Semester ist bei der Matura-Vorbereitung im Vollzeit-Lehrgang keine Berufstätigkeit mehr neben der KME möglich. Für die Zeit vom 1. und 2. Semester an der KME sowie in der Studienzeit an der Universität Zürich gehen wir von einer Teilzeitarbeit im Umfang von 36 Prozent als EFZ-Kaufmann aus (circa 15 Stunden/Woche).

Zunächst errechnen wir das entgangene Einkommen aus der aufgegebenen Vollzeitbeschäftigung als EFZ-Kaufmann während der 8,5 Jahre dauernden Ausbildung unter Aufrechnung der Einnahmen aus der Teilzeitbeschäftigung als EFZ-Kaufmann während KME- und UZH-Ausbildung sowie der Einnahmen aus dem Anwaltspraktikum:

PostenRechnungErtrag
Entgangener Vollzeit-Lohn als EFZ-Kaufmann:

75408 CHF x 4 (Jahre) = 301’632 CHF

79’764 CHF x 4,5 (Jahre) = 358’938 CHF

 - 660’570 CHF
Einnahmen aus Teilzeitbeschäftigung als EFZ-Kaufmann während KME und UZH:27’147 CHF x 5,5 (Jahre) = 149’309 CHF149’309 CHF
Einnahmen aus Lohn für Anwaltspraktikums:60’000 CHF x 1 (Jahr) = 60’000 CHF60’000 CHF
Entgangener Vollzeit-Lohn unter Aufrechnung des Teilzeit-Lohns und Anwaltspraktikum-Lohns:451’261 CHF
 

 

Ausbildungskosten

Auch die Ausbildungskosten müssen errechnet werden. 

Wer es nicht auf die KME schafft oder dort nicht hin will und sich stattdessen durch den Besuch einer privaten Maturitätsschule auf die gymnasiale Erwachsenenmatura (zweiter Bildungsweg) vorbereitet, muss mit 30’000 CHF Schulkosten für die dreijährige Maturitäts-Schulzeit rechnen.

An der Universität Zürich fallen für das Jus-Studium Studiengebühren in Höhe von 720 CHF pro Semester an, also für viereinhalb Jahre (9 Semester) 6’480 CHF. Für Lehrmittel kommen pro Semester noch einmal Kosten in Höhe von circa 300 CHF hinzu, im Laufe der 9 Semester kommt man damit auf eine Summe von 2’700 CHF für die Anschaffung von Büchern und anderen Lehrmitteln. 

Im schlimmsten Fall, von dem wir in unserer Kalkulation ausgehen, betragen die Ausbildungskosten für Erwachsenenmatura und Jus-Studium also 39’180 CHF.

 

Schuldzinsen

Angesichts der extrem hohen Mieten in der Stadt Zürich, in der ein WG-Zimmer schnell 1’500 CHF im Monat kostet, muss man ohne elterliche Unterstützung und ohne Stipendien in der Regel einen Kredit aufnehmen, um die hohen Lebenshaltungskosten zu stemmen. Vom Nebenjob allein sind diese Kosten nicht finanzierbar. Denn zur Miete kommen noch einmal mindestens rund 1’300 CHF an weiteren Kosten wie Verpflegung, Fahrtkosten und Versicherungen. 

Und Urlaub ist da noch gar nicht mit einkalkuliert; gerade als Student sollte man auch etwas von der Welt gesehen haben. In der Stadt Zürich ist es daher als Student ratsam, ein Budget von 3’000 CHF pro Monat einzukalkulieren, um über die Runden zu kommen; insbesondere als erwachsener Student, da man als Erwachsener an höhere Ansprüche gewöhnt ist als junge Menschen, die es gewohnt sind, bescheiden zu leben.

In den 7,5 Jahren an Erwachsenen-Maturitätsschule und Universität Zürich summieren sich die Lebenshaltungskosten auf 270’000 CHF. Bei einem Einkommen aus Teilzeitbeschäftigung mit einem 36-Prozent-Pensum als EFZ-Kaufmann erwirtschaftet man aber nur 149’309 CHF in diesem Zeitraum, insbesondere, da man nicht während der vollen 7,5 Jahre nebenbei arbeiten kann. Die Differenz von 120’691 CHF muss man also durch die Aufnahme eines Kredites decken. Im Falle eines Privatkredites liegen die Zinsen ungefähr zwischen 4 und 9 Prozent je nach Anbieter und Bonität. Wir veranschlagen 7 Prozent als oberes Mittelmass. 

Zahlt man den in Höhe von 120’691 CHF aufgenommen Kredit über 20 Jahre mit einer monatlichen Rate von rund 1’000 CHF zur Tilgung des Darlehensbetrages und der Zinsen zurück, beträgt die Gesamtzinslast rund 100’000 CHF.

 

Einkommen im Berufsleben nach dem Studium

Die Einkommensentwicklung eines Anwaltes in der Stadt Zürich schätzen wir wie folgt ein:

Alters-ZeitraumJahreseinkommen (brutto, inkl. 13. Monatsgehalt)Monatslohn (brutto, inkl. Anteil 13. Monatsgehalt)Job-Situation
36-42113’724 CHF9’477 CHFJunior-Associate-Anwalt
43-49125’340 CHF10’445 CHFSenior-Associate-Anwalt
50-59134’412 CHF11’201 CHFCounsel
60-65134’412 CHF11’201 CHFLohn-Stagnation wegen unterstelltem Produktivitäts-Rückgang im Alter

Quelle:Salarium - Statistischer Lohnrechner 2022 vom Bundesamt für Statistik (BFS)

Für den späteren Vergleich mit den anderen Szenarien können wir nun das Lebenszeiteinkommen berechnen:

Alters-ZeitraumBrutto-Einkommen (brutto, inkl. 13. Monatsgehalt)
36-427 x 113’724 CHF = 796’068 CHF
43-497 x 125’340 CHF = 877’380 CHF
50-5910 x 134’412 CHF = 1’344’120 CHF
60-655 x 134’412 CHF = 672’060 CHF
Gesamteinkommen über 29 Berufsjahre:3’689’628 CHF

 

Von dem in den 29 Berufsjahren erwirtschafteten Gesamteinkommen in Höhe von 3’689’628 CHF muss man noch den entgangenen Vollzeit-Lohn unter Aufrechnung des Teilzeit-Lohns und Anwaltspraktikum-Lohns in der Zeit vom 28. bis zum 35. Lebensjahr abziehen, also 451’261 CHF, die Ausbildungskosten in Höhe von 39’180 CHF und die Gesamtzinslast in Höhe von 100’000 CHF, um das über 37 Jahre theoretisch aufgebaute Vermögen zu errechnen.

Gesamteinkommen über 29 Berufsjahre:3’689’628 CHF
Entgangener Vollzeit-Lohn unter Aufrechnung des Teilzeit-Lohns und Anwaltspraktikum-Lohns im Alters-Zeitraum 28-35:- 451’261 CHF
Ausbildungskosten Erwachsenenmatura und Studium:- 39’180 CHF
Gesamtzinslast wegen Schulden:- 100’000 CHF
Theoretisch aufgebautes Vermögen im Alters-Zeitraum 28-65 im Szenario 2:3’099’187 CHF

 

Zur Erinnerung: Das theoretisch aufgebaute Vermögen in Szenario 1 (also bei einer Karriere als EFZ-Kaufmann ohne Matura und ohne Studium) im gleichen Alters-Zeitraum 28-65 betrug: 3’576’984 CHF.

Durch Erwachsenenmatura und Studium erleidet man also trotz späterer Anwaltstätigkeit einen Vermögensverlust in Höhe von 477’797 CHF im Vergleich zu einer Karriere als EFZ-Kaufmann ohne Matura und ohne Studium.

Lesen Sie auch unseren Artikel «Hohes Einkommen ohne Uni-Studium dank dualem Bildungssystem».

Neben dem Verlust von 477’797 CHF kommen noch weitere Nachteile hinzu, wenn man mit 28 Jahren auf dem zweiten Bildungsweg die Maturitätsschule besucht, dann das Jus-Studium macht und erst mit 36 Jahren in den neuen Beruf einsteigt, statt im angestammten EFZ-Beruf weiterzuarbeiten:

  • jahrelange Belastung (finanziell und psychisch) durch Schuldenabbau
     
  • weniger Einzahlungen in die Pensionskasse
     
  • Verzicht auf Lebensplanung (wie Kinder, eigenes Haus/ eigene Wohnung) während der 8,5 Jahre Maturitätsschule, Studium, Anwaltspraktikum
     
  • Verzicht auf Hobbys und andere Freizeitaktivitäten wegen Doppelbelastung aus Schule/Studium und Teilzeitbeschäftigung

 

Szenario 3: Erwachsenenmatura, Studium, Angestellter, Unternehmens-Mitinhaber

Im dritten Szenario betrachten wir die finanzielle Entwicklung eines Anwaltes, der die gymnasiale Matura über den zweiten Bildungsweg gemacht hat, dann das Jus-Studium absolviert hat, schliesslich in einer Anwaltskanzlei als angestellter Anwalt arbeitet und es dann zum Kanzlei-Partner schafft, also Mitinhaber der Anwaltskanzlei wird. Dieses Szenario ist aber nur für 10 bis 15 Prozent der Juristen realistisch.

 

Einkommen im Berufsleben nach dem Studium

Die Einkommensentwicklung eines Anwaltes, der es in der Stadt Zürich zum Kanzlei-Partner schafft, schätzen wir wie folgt ein:

Alters-ZeitraumJahreseinkommen (brutto, inkl. 13. Monatsgehalt)Monatslohn (brutto, inkl. Anteil 13. Monatsgehalt)Job-Situation
36-42113’724 CHF9’477 CHFJunior-Associate-Anwalt
43-49125’340 CHF10’445 CHFSenior-Associate-Anwalt
50-59174’564 CHF14’547 CHFPartner
60-65174’564 CHF14’547 CHFLohn-Stagnation wegen unterstelltem Produktivitäts-Rückgang im Alter

Quelle:Salarium - Statistischer Lohnrechner 2022 vom Bundesamt für Statistik (BFS)

Für den späteren Vergleich mit den anderen Szenarien können wir nun das Lebenszeiteinkommen berechnen:

Alters-ZeitraumBrutto-Einkommen (brutto, inkl. 13. Monatsgehalt)
36-427 x 113’724 CHF = 796’068 CHF
43-497 x 125’340 CHF = 877’380 CHF
50-5910 x 174’564 CHF = 1’745’640 CHF
60-655 x 174’564 CHF = 872’820 CHF
Gesamteinkommen über 29 Berufsjahre:4’291’908 CHF

 

Auch hier muss man von dem in den 29 Berufsjahren erwirtschafteten Gesamteinkommen in Höhe von 4’291’908 CHF noch den entgangenen Vollzeit-Lohn unter Aufrechnung des Teilzeit-Lohns und des Anwaltspraktikum-Lohns in der Zeit vom 28. bis zum 35. Lebensjahr abziehen, also 451’261 CHF, die Ausbildungskosten in Höhe von 39’180 CHF und die Gesamtzinslast in Höhe von 100’000 CHF, um das über 37 Jahre theoretisch aufgebaute Vermögen zu errechnen:

Gesamteinkommen über 29 Berufsjahre:4’291’908 CHF
Entgangener Vollzeit-Lohn unter Aufrechnung des Teilzeit-Lohns und Anwaltspraktikum-Lohns im Alters-Zeitraum 28-35:- 451’261 CHF
Ausbildungskosten Erwachsenenmatura und Studium:- 39’180 CHF
Gesamtzinslast für aufgenommen Schulden:- 100’000 CHF
Theoretisch aufgebautes Vermögen im Alters-Zeitraum 28-65 im Szenario 3:3’701’467 CHF

 

Im Vergleich zum theoretisch aufgebauten Vermögen in Szenario 1 (also bei einer Karriere als EFZ-Kaufmann ohne Matura und ohne Studium), das im gleichen Alters-Zeitraum 3’576’984 CHF betrug, erreicht man bei einer Karriere auf dem zweiten Bildungsweg, bei der man es bis zum Partneranwalt geschafft hat, ein Vermögensplus in Höhe von 124’483 CHF. Viel ist das nicht, vor dem Hintergrund der ganzen Mühen, die mit dem zweiten Bildungsweg verbunden sind.

 

Fazit - zweiter Bildungsweg Studium

Finanziell lohnt sich die Erwachsenenmatura (zweiter Bildungsweg) und dann Studium eigentlich nie. In der Regel hat man einen finanziellen Verlust, wenn man auf dem zweiten Bildungsweg studiert. 

Nur wenn man später in einem Beruf und auf einer Position arbeitet, wo man wesentlich mehr Geld verdient als auf dem ersten Bildungsweg, kann man einen kleinen Gewinn im Vergleich zum ersten Bildungsweg erwirtschaften. Im Falle eines Juristen ist das aber meist nur der Fall, wenn man es bis zum Partner schafft. Gross ist der finanzielle Gewinn als Partneranwalt mit 124’483 CHF aber nicht im Vergleich zur Karriere als EFZ-Kaufmann. 

 

Weitere Nachteile der Erwachsenenmatura

Im Übrigen fällt aber die jahrelange Belastung durch den Abbau von Schulden, die man in der Zeit als Maturitätsschüler und Student gemacht hat, negativ ins Gewicht. Auch muss man Einbussen bei der Pensionskasse hinnehmen. Ferner hat sich die Lebensplanung um 8,5 Jahre nach hinten verschoben, etwa die Familienplanung und/oder der Erwerb der eigenen Immobilie (wenn man sich diese überhaupt leisten kann). Negativ schlägt auch der Verzicht von Hobbys und von anderen Freizeitaktivitäten zu Buche, denn die Doppelbelastung aus Schule/Studium und Nebenjob lässt nicht viel Zeit übrig. 

Heutzutage bringt ein Beruf als Akademiker auch nicht mehr automatisch ein höheres gesellschaftliches Ansehen mit sich, da es immer mehr Akademiker gibt, diese also nichts Besonderes mehr sind. Und die Arbeitsbedingungen sind auch nicht unbedingt besser in Akademiker-Berufen; auch dort herrscht mitunter hoher Zahlendruck.

Lohnen tut sich das Studium auf dem zweiten Bildungsweg also allenfalls aus immateriellen Gründen, weil man den auf dem zweiten Bildungsweg erlernten Beruf viel lieber ausübt als den ursprünglichen Beruf.

 

Besser auf dem ersten Bildungsweg ins Studium oder über BMS

Wer schon in jungen Jahren weiss, dass er später einmal einen Job ausüben möchte, für den man ein Studium benötigt, sollte den direkten Weg auf dem ersten Bildungsweg gehen, also entweder über das Langgymnasium oder das Kurzgymnasium zur gymnasialen Maturität und dann gleich im Anschluss an der Universität studieren. 

Alternativ könnte man noch den Weg über die Lehre und Berufsmaturitätsschule (BMS) gehen und dann noch die Passerelle-Ergänzungsprüfung machen, die ein Studium an Universität, ETH oder Pädagogischer Hochschule ermöglicht. Allerdings ist dieser Weg in der Regel nur durch finanzielle Unterstützung der Eltern oder mit Stipendien möglich, da man neben der einjährigen Vollzeit-Vorbereitung auf die Passerelle-Ergänzungsprüfung keine Zeit zum Geldverdienen hat.

 

Alles in Allem:

Den Weg über die gymnasiale Erwachsenenmatura zum Studium auf dem zweiten Bildungsweg sollte man wenn möglich vermeiden, da er in der Regel sowohl grosse finanzielle als auch grosse immaterielle Verluste mit sich bringt.

Jetzt mit der Gymivorbereitung beginnen!

 

Quellen

 

Alle Blogartikel


Künstliche Intelligenz Schule: Sollte Künstliche Intelligenz in der Schule unterrichtet werden, wie dieses Symbolfoto hier zeigt, auf dem zwei Kinder zu sehen sind, ein Kind am Laptop und ein anderes mit Werkzeug in der Hand; wie ein Hologramm werden mehrere Fenster von einem Computer-Programm über dem Laptop gezeigt, wobei in dem mittleren Fenster ein Kopf zu sehen ist, der mit Schaltkreisen verbunden ist und statt eines Gehirns ist ein Zahnrad im Kopf und im Zahnrad steht AI, was die Abkürzung von Artificial Intelligence ist, also dem englischen Begriff von Künstliche Intelligenz.

Künstliche Intelligenz in der Schule unterrichten?

Sollte man Künstliche Intelligenz in der Schule unterrichten? Bislang steht KI nicht im Lehrplan. In Ausbildung und Beruf sind KI-Kenntnisse immer wichtiger.

10.01.2026

Neue Berufsmaturitätsverordnung 2026: wichtigste Änderungen

Ab 1. März 2026 gilt neue Berufsmaturitätsverordnung 2026, deren wichtigste Änderungen wir vorstellen; auch ihr Entstehen aus dem Projekt Berufsmaturität 2030.

25.12.2025

Mehr arbeitslose Akademiker: Trend kein Grund zur Sorge

Es gibt zwar immer mehr arbeitslose Akademiker in der Schweiz, aber Grund zur Sorge, dass man - z.B. wegen KI - nur noch im Handwerk Jobs findet, ist das nicht.

18.12.2025